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Die bösen Immobilienmakler

Geschrieben von GERAL-Immobilien an 15. März 2019
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Ich musste in der Sendung Hart aber Fair vom 11.03.2019 mit ansehen und hören, wie der Moderator und die aktuelle Bundesjustizministerin eine ganze Branche vorverurteilen. Ich habe mich zu folgendem Kommentar auf Facebook hinreißen lassen und möchte den für alle lesbar auch hier zum Besten geben:

Es ist ein Skandal, wie es Herr Plasberg und Frau Barley schaffen eine ganze Branche mit etlichen 1000 Arbeitsplätzen zu verunglimpfen. Das Beispiel mit dem gelben Zettel an der Laterne und 30.000 Euro kassieren ist eine Frechheit und ein Beleg für die populistische Motivation. Gehört sowas ins öffentlich-rechtliche Fernsehen, wofür ich ohne Bestellerprinzip Gebühren zahlen muss? Es ist natürlich einfach, eine Branche mit spitzen Einzelfall-Beispielen zu verunglimpfen. In Ballungszentren hat ein Makler ein tolles Objekt u.U. schnell verkauft. Aber ich möchte annehmen, dass 90 % der Verkäufe eben nicht in Spitzenlagen der Ballungszentren abgewickelt werden.

Frau Barley behauptet, dass der Käufer nichts von einem Makler hat? Mit solchen Äußerungen wollen Sie aus dem Umfragetief kommen? Das Volk ist nicht so dumm, wie Sie es scheinbar annehmen. Eine aktuelle Untersuchung von McMakler.de und Immoscout hat 300.000 (!) Immobilienangebote untersucht und verglichen (Quelle: https://www.n-tv.de/…/Privatverkaeufer-verlangen-mehr…):

“Daraus geht hervor, dass Immobilien, die von privaten Verkäufern inseriert sind, schon heute im Durchschnitt signifikant teurer sind als Angebote von Maklern. Ein eindeutiger Indikator, dass die Maklerprovision bei Einführung des Bestellerprinzips im Verkauf auf den Preis addiert wird und somit der Verkäufer heute schon implizit die Belastung trägt. Für die Erhebung hat McMakler nahezu 300.000 Immobilienangebote untersucht und verglichen. Das Ergebnis: Immobilien von privat sind durchschnittlich 4,1 Prozent (Wohnungen 3,9 Prozent, Häuser 4,3 Prozent) teurer als Maklerangebote. Was der aktuell durchschnittlichen Maklerprovision entspricht. Diese kann bis zu 7,14 Prozent inklusive Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis betragen.” 

Hierzu ist zu ergänzen, dass z.B. bei uns im ländlichen Raum (Grafschaft Bentheim) Provisionssätze von 3-5 % zuzügl. Mwst. verlangt werden. Eine 7 habe ich hier noch nie vor dem Komma gesehen.

An der Untersuchung sehen Sie schon die erste eklatant wichtige Leistung des Maklers für den Käufer – er nordet den Verkäufer in Sachen Wertermittlung ein, informiert ihn und stellt ihn auf eine lange Vermarktungszeit und ggfs. Nichtverkauf ein, wenn der Preis überhöht, nicht marktgerecht gewählt wird. Diese Position kann nur ein Fachmann haben, der den Markt seit langer Zeit in Tiefe und Breite kennt und entsprechende Kompetenz hat und ausstrahlt.

In Ballungszentren helfen sicher die Mietpreisbremse und die verschärfte/eingeschränkte Umlagemöglichkeit von Modernisierungsmaßnahmen. 

Sicher, es ist auch bestimmt nicht dienlich, wenn große Konzerne und „Heuschrecken“ riesige Wohnungbestände für schmales Geld aufkaufen und mit verschiedenen Maßnahmen hohe Dividenden für Aktionäre erwirtschaften. Das ist aber Marktwirtschaft. Unterbinden Sie Share-Deals und in Verbindung mit der eingeschränkten Umlagefähigkeit von Modernisierungen, Kappungsgrenze u.a. Maßnahmen wird das in dem Bereich helfen. Als ein frühes Mittel der Wahl öffentlich von Enteignung zu sprechen – mir fehlen die Worte.

Zurück zu den bösen Maklern: Weiter leisten Makler für Käufer Aufklärung über den Zustand der Immobilie, Makler bewahren beide Seiten vor Haftungsrisiken, Makler beraten in Bezug auf nötige Investitionen/Umbauten, vermitteln Handwerker, Umzug und andere Dienstleister. Makler sorgen dafür, dass wichtige Details in den Kaufvertrag aufgenommen werden. Makler organisieren die Übergabe, melden Zählerstände an Versorgungsunternehmen usw. usw. 

Ein Makler erstellt i.d.R. kostenlose Objektbewertungen. Dafür sind Fach- und Marktkenntnisse erforderlich. Das hilft Käufern und Verkäufern. Ein Makler lässt häufig kostenlos für Käufer und Verkäufer einen Energieausweis erstellen, besorgt Flurkarten oder Lagepläne. Ein Makler erstellt perfekte Exposés, d.h. er muss Texte entwerfen, professionelle Bilder vom Objekt erstellen – jedes einzelne Bild wird mit einer oft teuren Software manuell bearbeitet. Wir als Makler erstellen neue Grundrisse, in 3D mit Möblierungsbeispiel – damit Käufer eine Phantasie des Wohnens in dem Objekt bekommen. Makler haben nicht selten auch Objekte, die nicht nach dem fünften Termin verkauft werden. Gerade außerhalb der Ballungszentren gibt es Objekte, zu denen ein Makler auch 20 oder 30 Mal hinfährt und jeweils 1-2 Stunden Zeit investiert. Für Kunden von außerhalb erstellen wir häufig virtuelle Rundgänge mit 360-Grad-Ansichten – das machen Sie auch nicht in 5 Minuten auf dem Klo. Häufig erstellen wir Filme mit Hilfe von Drohnen, um das Objekt und sein Umfeld zu veranschaulichen. Wir bezahlen mittlerweile Unsummen für Werbeplätze in immer teurer werdenden Portalen. Ich könnte noch etliche Dinge auflisten – erzählen Sie uns bitte nicht, dass wir bösen Makler nichts für unser Geld tun. 

Das sind alles für Käufer nutzlose Leistungen? Frau Barley, Herr Plasberg – schämen Sie sich für derartige Äußerungen und überlegen Sie mal, ob es nicht in jedem (auch Ihrem) Berufsstand schwarze Schafe gibt.

Das sind Leistungen und unternehmerische Risiken, die ich persönlich nicht bereit bin für 1-2 % Deckungsbeitrag einzugehen. Es ist ohnehin heute schon irre, was wir an Bürokratismus erleben müssen. Aufbewahrungspflichten, Verfahrensdokumentationen, buchhalterische Vorschriften, Geldwäschegesetz, Datenschutz uvm. 

Mir macht mein Job wirklich Spaß und ich mache ihn aus Überzeugung und mit voller Leidenschaft. Aber reizen Sie die Toleranzschwelle nicht aus – Sie reißen durch Überregulierung Teile einer Branche in Existenznot, ohne dass es dafür einen sicher einzuplanenden Vorteil gibt.

Der Staat steht aktuell gut da. Herr Lindner will gar 125,- (?) Euro pro Bundesbürger/Steuerzahler erstatten. Versuchen Sie doch Ihre Umfragewerte und die Wohnungsmarktsituation zu verbessern, mit Instrumenten die erwiesen, sicher funktionieren. Legen Sie Wohnungsbau-Förderprogramme auf, die das Bauen attraktiv machen, belegen Sie die Objekte mit einer meinetwegen 15 oder gar 20jährigen Sozialbindung – notfalls gestaffelt. In 20 Jahren sieht die Welt schon ganz anders aus und man wird immer wieder mal Zwischenbilanz ziehen und entsprechend planen müssen. Sorgen Sie dafür, dass Baugenehmigungsverfahren für sozialen Wohnungsbau gerade in Ballungszentren schnell (oder sogar vorrangig) bearbeitet werden und verschärfen Sie Bauvorschriften nicht noch weiter. Das hilft den Wohnungssuchenden deutlich effektiver, das Gefühl von Marktwirtschaft bleibt und Sie schaffen vielleicht mal wieder einen substanziellen Punktsieg in breiten Teilen der Bevölkerung.

Mit besten Wünschen

Jens Aldekamp
Inh. GERAL-Immobilien